Ratgeber · Zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026

Bestatter werden als Quereinsteiger

Ja, du kannst als Quereinsteiger in der Bestattung arbeiten: Für die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist rechtlich keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben, und Bestatter-Betriebe gehören zu den zulassungsfreien, handwerksähnlichen Gewerben. Der anerkannte Abschluss ist die dreijährige duale Ausbildung zur Bestattungsfachkraft; wer schon im Beruf arbeitet, kann später auch ohne Ausbildung zur Prüfung zugelassen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der anerkannte Ausbildungsberuf heißt „Bestattungsfachkraft“ und dauert drei Jahre (BestAusbV § 2).
  • Für die Ausbildung ist laut BERUFENET rechtlich keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.
  • Wer mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf gearbeitet hat, ist zur Gesellenprüfung zuzulassen (§ 37 Abs. 2 HwO).
  • Die Fortbildung „Geprüfter Bestatter“ regeln einzelne Handwerkskammern; BERUFENET nennt 3–7 Monate in Teilzeit.
  • Ausbildungsvergütung laut BERUFENET (Beispiel Bestattungsgewerbe): 750 € / 905 € / 1.021 € brutto im 1./2./3. Jahr.
  • Überbetriebliche Lehrgänge finden im Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt statt.

Ist „Bestatter“ ein geschützter Beruf?

Nicht im Sinne einer Meisterpflicht. Die Ausbildungsverordnung ordnet die Bestattungsfachkraft dem Gewerbe Nummer 50, Bestattungsgewerbe, der Anlage B Abschnitt 2 der Handwerksordnung zu (BestAusbV § 1). Anlage B Abschnitt 2 umfasst die handwerksähnlichen Gewerbe. Wer ein solches Gewerbe selbstständig beginnt, muss das nach § 18 HwO der Handwerkskammer anzeigen – einen Meisterbrief verlangt das Gesetz dafür nicht.

Für dich als Quereinsteiger heißt das: Betriebe dürfen dich auch ohne Fachabschluss einstellen. Wie weit du kommst, hängt aber stark davon ab, ob du später einen anerkannten Abschluss nachholst. Die drei offiziellen Stufen sind die Bestattungsfachkraft (Ausbildung), der Geprüfte Bestatter (Fortbildung bei der Handwerkskammer) und der Bestattermeister, den BERUFENET als naheliegende Aufstiegsweiterbildung nennt.

Was du im Alltag machst

Laut BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit betreuen Bestattungsfachkräfte bei einem Todesfall die Hinterbliebenen, beraten sie und klären die Details der Bestattung. Sie überführen Verstorbene ins Bestattungsinstitut, versorgen sie hygienisch und kosmetisch und bringen sie zum Bestattungsort. Dazu kommen:

  • Särge oder Urnen herrichten, Gräber anlegen, Trauerfeiern gestalten
  • Behördliche Formalitäten übernehmen, Trauerdrucksachen und -anzeigen verfassen
  • Bestattungsvorsorgeverträge vermitteln, Kosten kalkulieren und mit Krankenkassen, Versicherungen und Kundschaft abrechnen

Gearbeitet wird laut BERUFENET in Bestattungsinstituten, auf Friedhöfen, in Krematorien und in Friedhofsverwaltungen – in Büro- und Verkaufsräumen, Werkstätten, Aufbahrungshallen und im Freien am Grab. Das BIBB nennt ebenfalls Bestattungsunternehmen und Friedhofsverwaltungen als Arbeitsorte.

Was der Beruf von dir verlangt

BERUFENET beschreibt die Bedingungen offen: Die Arbeitszeit umfasst zum Teil Bereitschaftsdienste, die Arbeitskleidung ist Anzug und Krawatte bzw. Kostüm oder Hosenanzug, dazu teils Schutzkleidung wie Einweghandschuhe und Mundschutz. Als Anforderungen nennt die Bundesagentur unter anderem:

  • Einfühlungsvermögen im Umgang mit trauernden Hinterbliebenen
  • Psychische Stabilität, zum Beispiel beim Anblick Verstorbener
  • Sorgfalt und Umsicht, etwa beim Vorbereiten der Verstorbenen oder beim Gestalten von Todesanzeigen
  • Kommunikationsfähigkeit und Kundenorientierung in Beratungsgesprächen

Ehrlich gesagt: Ob du mit dem Anblick Verstorbener und mit Trauer im Arbeitsalltag zurechtkommst, findest du nur in der Praxis heraus. Ein Probetag oder Praktikum in einem Bestattungshaus ist deshalb der wichtigste erste Schritt.

Weg 1: Ausbildung zur Bestattungsfachkraft

Die Ausbildung ist dual und dauert drei Jahre (BestAusbV § 2). Laut BERUFENET ist sie seit 2003 anerkannt (damals als Erprobung); die heutige Verordnung gilt seit 2007. Rechtlich ist laut BERUFENET keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben; der Bundesverband Deutscher Bestatter nennt in seinem Ausbildungsflyer (März 2025) „in der Regel ein Hauptschulabschluss oder ein höherer Bildungsabschluss“ als Voraussetzung.

Gelernt wird im Betrieb und in der Berufsschule. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr kommen laut Verband die Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen im Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt dazu. Die Abschluss- bzw. Gesellenprüfung umfasst die Bereiche Bestattungsdurchführung (50 %), Geschäfts- und Verwaltungsvorgänge (20 %), Bestattungsorganisation (20 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %) (BestAusbV § 6).

Die Ausbildungsvergütung liegt laut BERUFENET im Beispiel Bestattungsgewerbe (Empfehlung, bundesweit) bei 750 € im ersten, 905 € im zweiten und 1.021 € im dritten Jahr, jeweils brutto im Monat. Im öffentlichen Dienst (kommunale Arbeitgeber) nennt BERUFENET 1.368 €, 1.418 € und 1.464 €. Die Bundesagentur betont, dass das Orientierungswerte sind und sich keine Ansprüche daraus ableiten.

Laut BERUFENET gab es 2024 insgesamt 348 Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger; 35 Prozent hatten die Hochschulreife. Eine Ausbildung mit Abitur oder nach einem anderen Beruf ist hier also nichts Ungewöhnliches.

Weg 2: Erst arbeiten, dann Externenprüfung

Viele Quereinsteiger starten ohne Ausbildung, etwa bei Überführungen, als Träger oder im Büro eines Bestattungshauses. Wenn du so schon länger im Beruf arbeitest, kannst du den Abschluss später nachholen: Nach § 37 Abs. 2 der Handwerksordnung ist zur Gesellenprüfung zuzulassen, „wer nachweist, dass er mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungsdauer vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig gewesen ist“. Bei drei Jahren Ausbildungsdauer sind das viereinhalb Jahre. Davon kann ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn du durch Zeugnisse oder auf andere Weise glaubhaft machst, dass du die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hast. Ausländische Berufszeiten werden berücksichtigt. Für Betriebe außerhalb des Handwerks gilt die gleichlautende Regel in § 45 Abs. 2 BBiG.

Über die Zulassung entscheidet die zuständige Kammer. Frag dort früh nach, welche Nachweise sie sehen will. BERUFENET weist außerdem darauf hin, dass seit 2024 ein Verfahren zur Feststellung und Bescheinigung der beruflichen Handlungsfähigkeit (Berufsvalidierung) unabhängig von einem formalen Abschluss gesetzlich eingeführt ist.

Weg 3: Fortbildung „Geprüfter Bestatter“ und Meister

Die Prüfung zum Geprüften Bestatter ist laut BERUFENET in den Rechtsvorschriften der jeweiligen Handwerkskammer geregelt; Zugang, Dauer und Abschlussbezeichnung können je nach Kammer abweichen. Das BIBB listet Regelungen der Handwerkskammern Saarland (2019), Wiesbaden (2010), Unterfranken (2003), Düsseldorf (2003) und Hannover (2001).

  • Zugang: in der Regel eine einschlägige Abschlussprüfung oder eine Ausbildung als Tischler/in oder Kaufmann/-frau für Büromanagement plus mindestens zwei Jahre einschlägige Berufstätigkeit.
  • Dauer: 3–7 Monate in Teilzeit, meist abends oder am Wochenende. Ein Vorbereitungslehrgang ist für die Prüfungszulassung nicht erforderlich.
  • Kosten: Die Teilnahme wird nicht vergütet; Lehrgangs- und Prüfungsgebühren fallen in der Regel an.

Als nächsten Schritt nennt BERUFENET die Prüfung zum Bestattermeister. Der Verband verweist für Meisterlehrgang und Seminare auf sein Bildungsangebot.

Das Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt

Der Bundesverband Deutscher Bestatter vertritt nach eigenen Angaben etwa 3.300 Bestattungsunternehmen, mit Filialen rund 5.000 Betriebe. Seine Theo-Remmertz-Akademie betreibt in Münnerstadt (Unterfranken) das Bundesausbildungszentrum der Bestatter. Laut Verbandsflyer ist Münnerstadt seit 1994 mit dem Lehrfriedhof Mittelpunkt der Aus- und Fortbildung; 2005 wurde das Zentrum mit Lehrgebäude und Gästehaus eröffnet. Dort gibt es unter anderem Hygieneräume, eine Werkstatt und eine Kapelle zu Übungszwecken. Auf dem Lehrfriedhof lernen Teilnehmende den Umgang mit Technik für den Grabaushub, Unfallverhütungsvorschriften und Grabarten.

Förderung und Jobsuche

Eine Umschulung zur Bestattungsfachkraft oder ein Vorbereitungslehrgang kann über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden, wenn Maßnahme und Träger zugelassen sind. Ein Rechtsanspruch besteht nicht; die Entscheidung liegt bei deiner Beratungsfachkraft. Für Begabte nennt BERUFENET zusätzlich das Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.

Bestattungshäuser sind oft kleine Familienbetriebe. Neben Stellenanzeigen lohnt sich die direkte Anfrage nach einem Praktikum. Aktuelle Angebote findest du über unsere Jobsuche; ob der Beruf zu dir passt, kannst du im Karrieretest prüfen.

Einstiegswege im Überblick

Für Gehälter von Beschäftigten im Bestattungswesen konnten wir keine offizielle Auswertung abrufen; angegeben ist deshalb nur die Ausbildungsvergütung laut BERUFENET.

  • Mitarbeit ohne Abschluss (z. B. Überführung, Träger, Büro)

    Rechtlich ohne Fachabschluss möglich. Nach mindestens 4,5 Jahren Berufstätigkeit kannst du zur Gesellenprüfung zugelassen werden (§ 37 Abs. 2 HwO).

  • Bestattungsfachkraft (Ausbildung)

    Dreijährige duale Ausbildung; keine bestimmte Vorbildung rechtlich vorgeschrieben.

    Gehalt: 750 € / 905 € / 1.021 € brutto/Monat im 1./2./3. Jahr (Empfehlung Bestattungsgewerbe) · Quelle: Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET: Bestattungsfachkraft (Ausbildung)

  • Geprüfter Bestatter (Fortbildung)

    Prüfung nach Regeln der Handwerkskammer; in der Regel einschlägiger Abschluss plus zwei Jahre Berufspraxis, 3–7 Monate Teilzeit.

  • Bestattermeister

    Aufstiegsweiterbildung für Führungsaufgaben in Bestattungsunternehmen, laut BERUFENET.

So gehst du vor

  1. Probetag oder Praktikum in einem Bestattungshaus vereinbaren und ehrlich prüfen, ob du mit Verstorbenen, Trauer und Bereitschaftsdiensten zurechtkommst.
  2. Entscheiden: direkt eine dreijährige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft beginnen oder erst als Mitarbeiter einsteigen.
  3. Bei Einstieg ohne Ausbildung Tätigkeiten und Zeiten sauber dokumentieren (Arbeitszeugnisse), um später die Externenprüfung nach § 37 HwO zu beantragen.
  4. Bei der zuständigen Handwerkskammer klären, welche Nachweise sie für die Zulassung verlangt.
  5. Mit Abschluss und zwei Jahren Praxis die Fortbildung zum Geprüften Bestatter, später den Meister ins Auge fassen.
  6. Förderung vor Beginn bei Arbeitsagentur oder Jobcenter erfragen – sie ist eine Ermessensleistung.

Bestatter-Jobs für Quereinsteiger

Wir zeigen keine eigenen Stellenanzeigen. Die Suche nach „Bestatter“ in ganz Deutschland ist bei diesen Jobbörsen schon eingetragen; sie öffnen sich in einem neuen Tab. Wir erhalten für diese Links keine Provision.

Häufige Fragen

Kann man ohne Ausbildung Bestatter werden?

Ja. Das Bestattungsgewerbe steht in Anlage B Abschnitt 2 der Handwerksordnung, eine Meisterpflicht gibt es nicht, und Betriebe dürfen dich auch ohne Fachabschluss einstellen. Ein anerkannter Abschluss als Bestattungsfachkraft verbessert aber deine Möglichkeiten.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft?

Drei Jahre, so steht es in § 2 der Ausbildungsverordnung von 2007. Die Ausbildung ist dual, also im Betrieb und in der Berufsschule, ergänzt durch Lehrgänge im Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt.

Was verdient man in der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft?

BERUFENET nennt als Beispiel für das Bestattungsgewerbe 750, 905 und 1.021 Euro brutto im Monat für das erste bis dritte Ausbildungsjahr. Im öffentlichen Dienst bei kommunalen Arbeitgebern sind es 1.368, 1.418 und 1.464 Euro. Das sind Orientierungswerte, keine Ansprüche.

Kann ich den Abschluss nachholen, wenn ich schon beim Bestatter arbeite?

Ja. Nach § 37 Abs. 2 HwO ist zur Gesellenprüfung zuzulassen, wer mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf gearbeitet hat, bei diesem Beruf also viereinhalb Jahre. Die Kammer kann auch früher zulassen, wenn du deine berufliche Handlungsfähigkeit glaubhaft machst.

Was ist ein Geprüfter Bestatter?

Eine Fortbildungsprüfung, die einzelne Handwerkskammern regeln. Laut BERUFENET brauchst du in der Regel einen einschlägigen Abschluss oder eine Ausbildung als Tischler oder Kaufmann für Büromanagement plus zwei Jahre Berufspraxis. Die Vorbereitung dauert 3 bis 7 Monate in Teilzeit.

Muss ich als Bestatter Nacht- oder Wochenenddienste machen?

BERUFENET nennt für den Beruf zum Teil Bereitschaftsdienste. Wie oft das vorkommt, hängt vom Betrieb ab, deshalb solltest du im Vorstellungsgespräch konkret danach fragen.

Wird eine Umschulung zum Bestatter gefördert?

Sie kann über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden, wenn Maßnahme und Träger zugelassen sind. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, die Entscheidung liegt im Ermessen der Beratungsfachkraft.

Quellen

Alle Zahlen stammen aus diesen Quellen, Stand der Prüfung jeweils in Klammern.

  1. Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET: Bestattungsfachkraft (Ausbildung) (17.10.2026)
  2. Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET: Bestatter/in (Weiterbildung) (17.10.2026)
  3. Verordnung über die Berufsausbildung zur Bestattungsfachkraft (BestAusbV) (17.10.2026)
  4. BIBB – Berufesuche: Bestattungsfachkraft (Ausbildung) (17.10.2026)
  5. BIBB – Berufesuche: Geprüfte/r Bestatter/in (Fortbildung) (17.10.2026)
  6. § 37 Handwerksordnung – Zulassung in besonderen Fällen (17.10.2026)
  7. § 45 Berufsbildungsgesetz – Zulassung in besonderen Fällen (17.10.2026)
  8. § 18 Handwerksordnung – Anzeigepflicht (17.10.2026)
  9. Bundesverband Deutscher Bestatter – Ausbildungsflyer Bestattungsfachkraft (März 2025) (17.10.2026)
  10. Theo-Remmertz-Akademie – Flyer Bundesausbildungszentrum Münnerstadt (2025) (17.10.2026)
  11. Bundesverband Deutscher Bestatter – Pressemitteilung vom 03.11.2025 (17.10.2026)