Ratgeber · Zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026

Bohrinsel- und Offshore-Jobs für Quereinsteiger

In Deutschland gibt es kaum Bohrinseln: Die Bergbehörde LBEG führt im Offshore-Bereich nur die Förderinsel Mittelplate im Wattenmeer und die Gasplattform A6-A auf, die zurückgebaut wird. Die meisten Offshore-Jobs vor der deutschen Küste gibt es heute in Windparks, für Öl und Gas musst du meist nach Norwegen oder Großbritannien. Ohne Sicherheitstraining und ärztliche Eignungsuntersuchung kommst du nirgends an Bord.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mittelplate ist laut Betreiber Harbour Energy das größte Ölfeld Deutschlands. Laut LBEG stammt mehr als die Hälfte des deutschen Erdöls von dort.
  • Laut Deutscher WindGuard waren am 30. Juni 2026 in deutscher Nord- und Ostsee 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit rund 10,8 GW in Betrieb.
  • Öl und Gas: Laut Norwegian Offshore Directorate fördern allein in der norwegischen Nordsee 69 Felder.
  • Pflichtkurse: OPITO BOSIET (Öl und Gas) bzw. GWO Basic Safety Training (Wind), dazu eine ärztliche Offshore-Eignungsuntersuchung.
  • In deutschen Gewässern darfst du laut Offshore-Arbeitszeitverordnung höchstens 21 Tage am Stück auf See verbringen.
  • Für Deutschland gibt es keine verlässlichen öffentlichen Gehaltszahlen für Offshore-Jobs. Sei bei Anzeigen mit großen Summen vorsichtig.

Wie viele Bohrinseln gibt es in Deutschland?

Sehr wenige. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) nennt für den Offshore-Bereich zwei Anlagen. Die erste ist die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Von dort wird Öl über ca. 23 Bohrungen gefördert. Betreiber ist die Harbour Energy Germany GmbH, und der Hauptbetriebsplan ist bis 2028 zugelassen. Die zweite ist die Gasplattform A6-A im „Entenschnabel“ der deutschen Nordsee. Sie hat laut LBEG bis 2020 gefördert und wird jetzt zurückgebaut.

Harbour Energy nennt Mittelplate das größte Ölfeld Deutschlands und hält es zu 100 %. Laut einer Stellungnahme des Branchenverbands BVEG vom März 2026 wird dort seit 1987 gefördert. Der Verband schreibt auch, dass „gut 2.000 Arbeitsplätze“ von Mittelplate abhängen. Das ist die Zahl eines Interessenverbands, und sie umfasst auch Jobs an Land, etwa in Raffinerien.

Gegen den Betrieb klagt die Deutsche Umwelthilfe. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hat am 12. Mai 2026 einen Eilantrag abgelehnt, die Förderung läuft also weiter. Das berichtet die Kanzlei CMS, die Harbour Energy vertritt. Für dich heißt das: Auf einer einzigen Insel gibt es nur wenige Stellen, und viele davon brauchen eine Fachausbildung.

Offshore in Deutschland heißt heute meistens: Windpark

Vor der deutschen Küste stehen weit mehr Windräder als Bohrinseln. Laut dem Bericht „Status des Offshore-Windenergieausbaus – Erstes Halbjahr 2026“ der Deutschen WindGuard waren am 30. Juni 2026 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit rund 10,8 GW in Betrieb. Im ersten Halbjahr 2026 speisten 84 neue Anlagen erstmals Strom ein. Die Leistung in der Nordsee verteilt sich laut Bericht auf Niedersachsen (etwa 6,9 GW) und Schleswig-Holstein (2,1 GW), die 1,8 GW in der Ostsee auf Mecklenburg-Vorpommern.

Diese Anlagen müssen gewartet und repariert werden, und neue Windparks werden gebaut. Deshalb suchen Service-Firmen und Betreiber Techniker, die offshore arbeiten wollen. Wie viele Menschen in Deutschland genau offshore arbeiten, haben wir in keiner aktuellen, offiziellen Statistik gefunden.

Öl und Gas: Die Jobs liegen vor allem in Norwegen und Großbritannien

Wer wirklich auf einer Öl- oder Gasplattform arbeiten will, landet meist in der Nordsee vor Norwegen oder Großbritannien. Laut Norsk Petroleum (Norwegian Offshore Directorate) fördern in der norwegischen Nordsee 69 Felder, in der Norwegischen See 25 und in der Barentssee drei. Für Großbritannien schätzt der Verband Offshore Energies UK (OEUK) in seinem Bericht vom November 2025 rund 154.000 Beschäftigte in der Offshore-Energie. Darin sind Öl und Gas, Wind und weitere Bereiche zusammengezählt.

Derselbe Bericht zeigt aber auch: Laut einer OEUK-Umfrage vom Oktober 2025 haben mehr als 55 % der britischen Offshore-Firmen im letzten Jahr Personal abgebaut. Fast 45 % rechnen mit weiteren Kürzungen. Plane also nicht mit einem Arbeitsmarkt, der dringend jeden nimmt. Für Jobs im Ausland lies auch unseren Überblick Jobs im Ausland.

Pflichtkurse für Öl und Gas: OPITO BOSIET und FOET

Für Plattformen in der Öl- und Gasindustrie ist der Standard der BOSIET (Basic Offshore Safety Induction and Emergency Training) der Organisation OPITO. Laut OPITO richtet sich der Kurs an Menschen, die neu in der Offshore-Öl- und Gasindustrie sind. Er umfasst:

  • 4 Pflichteinheiten mit insgesamt 21 Stunden Lernzeit,
  • Notfallabläufe bei Hubschrauberflügen (Notausstieg aus dem Hubschrauber, Atemhilfe),
  • Überleben auf See, Erste Hilfe und Brandbekämpfung.

Spätestens 4 Jahre nach dem BOSIET musst du laut OPITO die Auffrischung FOET (Further Offshore Emergency Training) machen. Vor den praktischen Übungen verlangt OPITO einen Gesundheitsnachweis, zum Beispiel ein gültiges Offshore-Gesundheitszeugnis. Alternativ gibt es einen medizinischen Fragebogen des Trainingszentrums. Die Übungen sind körperlich anstrengend. Einzelne Arbeitgeber können strengere Regeln haben, frag deshalb vor der Buchung, welchen Kurs genau sie verlangen.

Pflichtkurse für Offshore-Wind: GWO Basic Safety Training

In der Windbranche gilt das Basic Safety Training (BST) der Global Wind Organisation (GWO). Laut GWO besteht es aus fünf Modulen:

  • Erste Hilfe (First Aid),
  • Heben und Tragen (Manual Handling),
  • Brandschutz (Fire Awareness),
  • Arbeiten in der Höhe (Working at Height),
  • Überleben auf See (Sea Survival). Dieses Modul deckt laut GWO den Weg vom Land bis zur Anlage auf See ab.

Seit dem 10. März 2026 gilt die Version 20 des Standards. Sie fasst Erst- und Auffrischungskurs in einem Standard zusammen und enthält eine neue Lektion zum Übersteigen über bewegungsausgeglichene Gangways (Walk-to-Work). Wie lange ein Zertifikat gültig ist, steht auf den GWO-Seiten, die wir geprüft haben, nicht. Das Fleetwood Nautical Campus, ein Trainingsanbieter, schreibt: „valid for two years from date of issue“, also zwei Jahre gültig. Prüf das Ablaufdatum in deinem eigenen Nachweis und frag deinen Arbeitgeber.

Ärztliche Eignungsuntersuchung

Ohne ärztlichen Nachweis kommst du nicht offshore. Für den Bergbau-Bereich, also Öl und Gas in deutschen Gewässern, schreibt § 16 der Offshore-Bergverordnung vor: Der Unternehmer darf dich nur einsetzen, wenn eine ärztliche Untersuchung keine gesundheitlichen Bedenken ergibt. Die Nachuntersuchung muss spätestens alle zwei Jahre stattfinden. Personen unter 18 Jahren dürfen nicht eingesetzt werden.

Für Offshore-Windparks gibt es die S2k-Leitlinie „Arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung“ der Fachgesellschaften DGAUM und Deutsche Gesellschaft für Maritime Medizin (Stand 01/2021). Die Untersuchung soll unter anderem klären:

  • ob du an allen Trainings teilnehmen kannst, etwa am Sea Survival,
  • ob du die Anlage im Notfall per Hubschrauber oder Schiff verlassen kannst,
  • ob Medikamente deine Arbeit offshore beeinträchtigen.

Lass dich untersuchen, bevor du Geld für Kurse ausgibst. Bestimmte Erkrankungen, etwa akute oder chronische Gleichgewichtsstörungen, schließen laut Leitlinie eine Offshore-Tätigkeit aus.

Arbeitszeit und Rotation

In deutschen Gewässern (Küstenmeer und Ausschließliche Wirtschaftszone) gilt die Offshore-Arbeitszeitverordnung. Die wichtigsten Regeln:

  • Die tägliche Arbeitszeit darf auf bis zu 12 Stunden verlängert werden (§ 3).
  • Laut § 6 darfst du nicht mehr als 21 unmittelbar aufeinanderfolgende Tage auf See verbringen. Über 10 Stunden darfst du dabei an höchstens 7 Tagen arbeiten. Wird das öfter verlängert, sind höchstens 14 Tage am Stück erlaubt.
  • Für jeweils volle 8 Stunden Mehrarbeit steht dir ein freier Tag zu (§ 7). Im Schnitt von 12 Monaten darfst du nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten.

Für Großbritannien beschreibt der National Careers Service ein Beispiel für Öl- und Gas-Schichten: 10 bis 12 Stunden am Tag über 2 Wochen, danach 2 Wochen frei. Die tatsächliche Rotation legt dein Arbeitgeber fest, sie steht im Arbeitsvertrag.

Gehalt und unseriöse Angebote

Für Offshore-Jobs in Deutschland haben wir keine verlässlichen öffentlichen Gehaltszahlen gefunden, weder aus Tarifverträgen noch aus amtlichen Statistiken. Anzeigen mit hohen Summen „für Anfänger“ solltest du deshalb kritisch prüfen: Wer zahlt, für welche Rotation, brutto oder netto, mit oder ohne Zulagen? Die Zahlen aus Großbritannien in der Übersicht unten lassen sich nicht auf Deutschland übertragen.

Vorsicht bei Vermittlern, die Geld im Voraus wollen. In Deutschland regelt § 296 SGB III, was private Arbeitsvermittler von Arbeitsuchenden verlangen dürfen:

  • Zahlen musst du nur, wenn durch die Vermittlung ein Arbeitsvertrag zustande kommt.
  • Vorschüsse darf der Vermittler weder verlangen noch annehmen.
  • Die Vergütung darf in der Regel höchstens 2.000 Euro inklusive Umsatzsteuer betragen. Ausnahmen gelten zum Beispiel mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein.

Mappen, „Bewerbungspakete“ oder Kurse, die einen Job versprechen, ersetzen keine Bewerbung beim Arbeitgeber selbst.

Einstiegsjobs im Überblick

Die Gehaltsangaben stammen aus Großbritannien (National Careers Service, Jahresgehalt brutto in Pfund). Für Deutschland gibt es keine verlässliche öffentliche Quelle.

  • Roustabout / Bohrhelfer (Öl und Gas)

    Laut National Careers Service ist der Einstieg als Hilfskraft auf der Bohranlage möglich, zum Beispiel als Roustabout. Nötig sind ein Offshore-Sicherheitstraining, ein Offshore-Gesundheitszeugnis und ein Mindestalter von 18 Jahren.

    Gehalt: £30.000 (Einstieg) bis £60.000 (erfahren) pro Jahr, Großbritannien · Quelle: National Careers Service (UK) – Offshore drilling worker

  • Service-Techniker Windenergieanlagen

    Wird laut National Careers Service oft über eine Ausbildung oder Erfahrung in Elektro- oder Mechaniktechnik erreicht, auch aus anderen Branchen. Offshore kommt Sea-Survival-Training dazu.

    Gehalt: £25.000 (Einstieg) bis £47.000 (erfahren) pro Jahr, Großbritannien · Quelle: National Careers Service (UK) – Wind turbine technician

  • Servicemonteur/in für Windenergieanlagentechnik (Deutschland)

    Eine berufliche Weiterbildung mit Prüfung nach den Regeln der IHK bzw. Handwerkskammer. Laut IG Metall musst du für die Zulassung zur Prüfung keinen Lehrgang besuchen.

So gehst du vor

  1. Entscheide dich: Offshore-Wind in Deutschland oder Öl und Gas im Ausland. Davon hängt ab, welches Sicherheitstraining du brauchst (GWO oder OPITO).
  2. Lass zuerst die ärztliche Offshore-Eignung prüfen. Erst wenn sie positiv ist, lohnt sich Geld für Kurse.
  3. Prüfe deine Ausbildung: Für Techniker-Jobs in der Windbranche nennt der National Careers Service Qualifikationen in Elektro- oder Mechaniktechnik. Eine Weiterbildung zum Servicemonteur für Windenergieanlagentechnik kann ein Weg sein. Frag bei der Arbeitsagentur nach einem Bildungsgutschein.
  4. Buche Sicherheitskurse möglichst erst, wenn ein Arbeitgeber sagt, welche er verlangt. Viele Firmen haben eigene Vorgaben.
  5. Bewirb dich direkt bei Betreibern und Service-Firmen. Zahle keine Vorschüsse an Vermittler.

Offshore-Jobs für Quereinsteiger

Wir zeigen keine eigenen Stellenanzeigen. Die Suche nach „Offshore Quereinsteiger“ in ganz Deutschland ist bei diesen Jobbörsen schon eingetragen; sie öffnen sich in einem neuen Tab. Wir erhalten für diese Links keine Provision.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Ausbildung auf einer Bohrinsel arbeiten?

In Großbritannien ist laut National Careers Service ein Einstieg als Hilfskraft möglich, etwa als Roustabout. Du brauchst aber ein Offshore-Sicherheitstraining, ein Offshore-Gesundheitszeugnis und musst mindestens 18 sein. In Deutschland führt das LBEG mit Mittelplate nur eine fördernde Öl-Insel auf, dort gibt es entsprechend wenige Stellen.

Wie viele Bohrinseln gibt es in Deutschland?

Das LBEG nennt die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im Wattenmeer, die Harbour Energy betreibt, und die Gasplattform A6-A. A6-A hat bis 2020 gefördert und wird zurückgebaut. Die meisten Offshore-Arbeitsplätze vor der deutschen Küste gibt es heute in Windparks.

Was ist der Unterschied zwischen BOSIET und GWO?

BOSIET ist das Grundtraining von OPITO für die Öl- und Gasindustrie und muss spätestens nach 4 Jahren mit dem FOET aufgefrischt werden. Das GWO Basic Safety Training ist der Standard der Windbranche mit fünf Modulen, darunter Sea Survival für den Einsatz auf See. Welches du brauchst, hängt davon ab, wo du arbeiten willst.

Wie lange bin ich am Stück auf See?

In deutschen Gewässern erlaubt die Offshore-Arbeitszeitverordnung höchstens 21 aufeinanderfolgende Tage auf See und bis zu 12 Stunden Arbeit am Tag. Für Großbritannien nennt der National Careers Service als Beispiel 2 Wochen Arbeit und 2 Wochen frei. Die genaue Rotation steht in deinem Arbeitsvertrag.

Wie viel verdient man auf einer Bohrinsel?

Für Deutschland gibt es keine verlässlichen öffentlichen Gehaltszahlen. Für Großbritannien nennt der National Careers Service für Bohrarbeiter offshore 30.000 bis 60.000 Pfund im Jahr. Anzeigen mit hohen Summen für Anfänger solltest du kritisch prüfen.

Darf ein Vermittler Geld für einen Offshore-Job verlangen?

Laut § 296 SGB III musst du einem privaten Arbeitsvermittler nur zahlen, wenn durch seine Vermittlung ein Arbeitsvertrag zustande kommt. Vorschüsse darf er nicht verlangen. Die Vergütung ist in der Regel auf 2.000 Euro inklusive Umsatzsteuer begrenzt.

Quellen

Alle Zahlen stammen aus diesen Quellen, Stand der Prüfung jeweils in Klammern.

  1. LBEG – Betriebe und Anlagen im Offshore-Bereich (17.10.2026)
  2. Harbour Energy – Germany (17.10.2026)
  3. BVEG – Stellungnahme zur Klage gegen die Erdölproduktion auf Mittelplate (03.03.2026) (17.10.2026)
  4. CMS – OVG Schleswig lehnt Eilantrag gegen Mittelplate ab (12.05.2026) (17.10.2026)
  5. Deutsche WindGuard – Status des Offshore-Windenergieausbaus, Erstes Halbjahr 2026 (17.10.2026)
  6. Norsk Petroleum – Activity per sea area (17.10.2026)
  7. Offshore Energies UK – Workforce Insight (05.11.2025) (17.10.2026)
  8. OPITO – BOSIET with Emergency Breathing System (17.10.2026)
  9. Global Wind Organisation – Basic Safety Training Standard (17.10.2026)
  10. Global Wind Organisation – Standard Updates, effective 10 March 2026 (17.10.2026)
  11. Fleetwood Nautical Campus – GWO Offshore Refresher Package (17.10.2026)
  12. Offshore-Bergverordnung § 16 – Eignungsuntersuchungen (17.10.2026)
  13. AWMF S2k-Leitlinie 002/043 – Arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung Offshore (01/2021) (17.10.2026)
  14. Offshore-Arbeitszeitverordnung (Offshore-ArbZV) (17.10.2026)
  15. Offshore-ArbZV § 6 – Zeitraum der Offshore-Tätigkeit (17.10.2026)
  16. National Careers Service (UK) – Offshore drilling worker (17.10.2026)
  17. National Careers Service (UK) – Wind turbine technician (17.10.2026)
  18. IG Metall Berufeglossar – Servicemonteur/in Windenergieanlagentechnik (17.10.2026)
  19. § 296 SGB III – Vermittlungsvertrag zwischen Vermittler und Arbeitsuchendem (17.10.2026)